Diese Platine macht aus einem Raspberry Pi Pico einen M-Bus-Slave — also die Gegenstelle zu einem Master. Der wichtigste Anwendungsfall ist die Kundenschnittstelle moderner Stromzähler: Smart Meter geben ihre Daten über eine sogenannte P1-Schnittstelle heraus, die elektrisch ein M-Bus ist und das Protokoll DLMS/COSEM spricht. Wer seinen eigenen Verbrauch in die Hausautomation bringen will, braucht genau diese Gegenstelle. Der zweite Anwendungsfall ist der umgekehrte: einen eigenen Zähler bauen, der sich an einem bestehenden M-Bus wie ein handelsübliches Gerät verhält. Die Platine beruht auf dem TSS721 von Texas Instruments und ist galvanisch getrennt.
- TSS721Standardbaustein für M-Bus-Slaves
- P1 und DLMSKundenschnittstelle moderner Stromzähler
- galvanisch getrenntBus und Mikrocontroller
- UART0 oder UART1frei wählbar
Was diese Platine auszeichnet
- Sie liest den eigenen Stromzähler aus: Die P1-Schnittstelle ist elektrisch ein M-Bus. Diese Platine ist die passende Gegenstelle — und damit der Weg zu Momentanleistung und Zählerstand in Echtzeit statt einmal im Jahr auf der Abrechnung.
- Sie kann auch das Gegenteil: Einen eigenen Zähler bauen, der Werte in ein bestehendes M-Bus-Netz einspeist. Beides ist dieselbe Elektronik, nur andere Software.
- TSS721 statt Nachbau: Der seit Jahrzehnten übliche Transceiver für M-Bus-Slaves — mit dem Verhalten, das Master erwarten.
- Kein Betriebssystem im Weg: Der Pico startet sofort und läuft durch. Für ein Gerät, das im Zählerkasten hängt, ist das die robustere Grundlage.
- Galvanische Trennung: Zwischen Bus und Mikrocontroller — bei einer Verbindung zum Zählerkasten keine Nebensache.
- Speisung aus dem Bus: Ein Slave entnimmt seine Energie dem M-Bus, so wie ein Zähler es auch tut.
- Beispielcode vom Hersteller: Fertige Beispiele für DLMS/COSEM und für einen eigenen Zähler liegen auf GitHub.
Wozu ein M-Bus-Slave gut ist
Der Meter-Bus ist für das Auslesen von Verbrauchszählern gebaut. Ein Master speist den Bus und fragt ab, die Zähler antworten — sie sind die Slaves. Diese Platine dreht die übliche Richtung um: Sie macht aus einem Mikrocontroller einen Slave, also ein Gerät, das an einem fremden M-Bus hängt und Daten bereitstellt, statt sie einzusammeln.
Dafür gibt es zwei ganz unterschiedliche Gründe. Der erste ist die Kundenschnittstelle moderner Stromzähler: In Österreich und zunehmend auch anderswo geben Smart Meter ihre Daten über eine sogenannte P1-Schnittstelle heraus, die elektrisch ein M-Bus ist und das Protokoll DLMS/COSEM spricht. Wer seinen eigenen Stromverbrauch auslesen will, braucht genau diese Gegenstelle — und bekommt vom Netzbetreiber üblicherweise nur die Schnittstelle, kein Auslesegerät. Der zweite Grund ist der eigene Zähler: Wer selbst gemessene Werte in ein bestehendes M-Bus-Netz einspeisen will — etwa den Ertrag einer Anlage oder einen Verbrauch, den kein Zähler erfasst —, baut sich mit dieser Platine ein Gerät, das sich wie ein Zähler verhält.
Die Platine beruht auf dem TSS721 von Texas Instruments, dem seit Jahrzehnten üblichen Baustein für M-Bus-Slaves. Die Schnittstelle zum Mikrocontroller ist galvanisch getrennt; die Speisung kommt aus dem Bus, nicht aus dem Controller.
Wo ein M-Bus-Slave eingesetzt wird
- Smart Meter über die Kundenschnittstelle auslesen: Der häufigste Fall — die P1-Schnittstelle moderner Stromzähler mit DLMS/COSEM.
- Eigenen Verbrauch sichtbar machen: Momentanleistung und Zählerstand in die Hausautomation bringen, ohne auf die Abrechnung zu warten.
- Photovoltaik und Eigenverbrauch: Bezug und Einspeisung am Netzübergabepunkt messen, als Grundlage für die Steuerung von Wärmepumpe oder Speicher.
- Eigene Zähler bauen: Selbst erfasste Werte in ein bestehendes M-Bus-Netz einspeisen, damit sie dort auftauchen, wo alle anderen Zähler auch stehen.
- Prüfaufbauten: Einen Zähler simulieren, um ein Auslesesystem zu testen, ohne echte Zähler zu verbauen.
- Nachrüstung ohne Eingriff in die Messung: Die Kundenschnittstelle ist genau dafür gedacht — sie liest mit, ohne die eichrechtlich relevante Messung zu berühren.
- Entwicklung und Lehre: Die Gegenseite des Busses aufbauen und verstehen, wie ein Telegramm entsteht.
Software und Auswertung
Auf dem GitHub-Konto von Zihatec liegt Beispielcode für die Arduino-Entwicklungsumgebung, mit dem sich Zähler über die P1-Kundenschnittstelle und das Protokoll DLMS/COSEM auslesen lassen. Ein zweites Beispiel zeigt, wie sich mit dem Pico ein einfacher eigener Zähler bauen lässt, der sich am Bus wie ein handelsübliches Gerät verhält.
Ein Hinweis, der beim ersten Aufbau Zeit spart: M-Bus-Telegramme sind nicht selbsterklärend. Ein Zähler antwortet mit Datensätzen, die Einheit, Skalierung und Bedeutung als Kennzahlen mitführen — ein Wert von 12345 kann je nach Kennung 12.345 Kubikmeter oder 123.45 Kilowattstunden bedeuten. Die genannten Bibliotheken nehmen einem diese Übersetzung ab. Wer sie selbst schreibt, plant dafür mehr Zeit ein als für die Verkabelung.
Technische Daten
| Rolle | M-Bus-Slave |
| Transceiver | TSS721 von Texas Instruments |
| Trennung | galvanisch zwischen Pico und Bus |
| Anbindung | über UART0 oder UART1 des Pico |
| Speisung | aus dem M-Bus |
| Passend für | Raspberry Pi Pico |
Aufbau und Verkabelung
Die Platine wird mit dem Raspberry Pi Pico kombiniert und über UART0 oder UART1 angebunden. Angeschlossen wird sie an die M-Bus- oder P1-Schnittstelle des auszulesenden Zählers — bei einem Smart Meter ist das die Klemme, die der Netzbetreiber für den Kunden freigibt und die üblicherweise erst auf Antrag aktiviert wird.
Die M-Bus-Leitung selbst ist unkritisch: zwei Adern, verpolungssicher, keine Abschlusswiderstände, Sterne und Bäume erlaubt — darin unterscheidet sie sich angenehm von RS485. Die Grenzen liegen bei der Leitungslänge und der Zahl der Lasteinheiten, nicht bei der Topologie. Ein gewöhnliches Fernmeldekabel genügt; geschirmte Leitung schadet nicht, ist aber selten nötig.
Vor dem Einbau lohnt ein Test am Schreibtisch mit einem einzelnen Zähler. Antwortet er, stimmen Verdrahtung, Baudrate und Adresse; antwortet er nicht, ist die Ursache fast immer eine falsche Baudrate — 2400 Baud sind der Normalfall, aber nicht die Regel. Diese Einordnung stammt aus der Anwendungspraxis und ist als Auslegungshilfe zu verstehen, nicht als Zusage des Herstellers.
Die M-Bus-Platinen von Zihatec im Vergleich
| Platine | Für welches Board | Rolle |
|---|---|---|
| M-Bus-HAT | Raspberry Pi | Master, bis 6 Lasteinheiten |
| M-Bus-HAT für Pico | Raspberry Pi Pico | Master oder Slave, je Ausführung |
| M-Bus-Shield für MKR | Arduino MKR und Portenta | Master oder Slave, je Ausführung |
| M-Bus-FeatherWing | Feather und Thing Plus | Master oder Slave, je Ausführung |
| M-Bus-Modul | eigene Leiterplatten | Master oder Slave, zum Einlöten |
Passendes Zubehör
- Das Gehäuse dazu: Das RasPiBox Pico bringt den Pico auf die Hutschiene — und ein Auslesegerät für den Stromzähler gehört in den Verteiler.
- Der Mikrocontroller: Ein Raspberry Pi Pico gehört nicht zum Lieferumfang.
- Hutschienengehäuse: Zihatec baut die passenden Gehäuse gleich mit — ein Auslesegerät gehört in den Verteiler, nicht auf die Fensterbank.
- Für Feldbusse statt Zähler: Wo es nicht um Verbrauchszähler, sondern um Modbus, DMX oder eine andere serielle Anlage geht, ist RS485 das richtige Verfahren. Auch dafür gibt es Platinen derselben Reihe, ebenfalls galvanisch getrennt.
Slave oder Master?
Diese Platine ist ein Slave. Sie hängt an einem fremden Bus und stellt Daten bereit oder liest die P1-Kundenschnittstelle eines Stromzählers aus. Wer Wärmemengen-, Wasser- oder Gaszähler selbst abfragen will, braucht die Master-Ausführung — die speist den Bus und fragt ab.
Der M-Bus ist kein Feldbus. Er liest Verbrauchszähler aus, mehr nicht. Für Modbus, DMX oder eine andere serielle Anlagenverbindung ist RS485 das richtige Verfahren; dafür gibt es Platinen derselben Reihe.
Eine Lasteinheit belegt sie am fremden Bus. Ob der vorhandene Master noch eine trägt, entscheidet dessen Speiseleistung. Bei einer P1-Kundenschnittstelle ist das kein Thema, dort hängt ohnehin nur ein Gerät.
Das Board gehört nicht dazu. Geliefert wird die Platine; Mikrocontroller, Zähler und Netzteil kommen dazu.
Unterstützung bei der Auslegung
Die Projektseite des Herstellers mit Beispielcode findest Du im Reiter „Dokumente». Sag uns, wie viele Zähler ausgelesen werden sollen und welche Fabrikate im Haus sind — daraus ergibt sich, ob ein Master mit sechs Lasteinheiten genügt und welche Bibliothek die Auswertung übernimmt. Für Auslegung und Inbetriebnahme erstellen wir Dir gern ein Angebot.

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